Wird Rivian das zweite Tesla? – Die neue Welt der EV Startups

von | Nov 26, 2021 | 🚘 Mobilität

Zum IPO von Rivian an der NASDAQ am 10.11.2021 rückt die Elektroautomarke weiter in den Fokus der Elektroautoszene. Auch der ein oder andere Börsianer investierte in Rivian. In diesem Artikel möchte ich euch die Marke Rivian vorstellen und mit Tesla vergleichen.

Wer ist Rivian?

Rivian ist eine US-amerikanische Firma, die ähnlich wie Tesla Elektroautos herstellt. Die Firma wurde 2009 von Robert Scaringe gegründet und bietet aktuell zwei Elektroautomodelle an. Zum einen den Rivian R1T als Pickup Variante und zum anderen den R1S als SUV. Nach aktuellem Stand wurden bisher keine SUVs an Kunden ausgeliefert. Die Auslieferung wurde seitens Rivian mehrmals verschoben und lässt auf Probleme in der Serienproduktion schließen.

Robert Scaringe macht auf mich einen sehr authentischen und vor allem visionären Eindruck. Ähnlich wie bei Elon Musk sieht man hier die Leidenschaft und Vision für Rivian.

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Was unterscheidet Rivian von anderen EV Firmen?

In den letzten Jahren sind Elektroautohersteller wie Pilze aus dem Boden geschossen und haben in kürzester Zeit ihre Prototypen vorgestellt. Durch die Minimierung der Fahrzeugteile eines Elektroautos ist die Einstiegshürde deutlich niedriger. Wo früher die große Challenge war, ein funktionierendes Getriebe, einen robusten Motor zu entwickeln, ist heute sicher die größte Herausforderung ein effizientes Batteriepack herzustellen. Zusätzlich dazu sind die Themen Software umso relevanter, um dem Kunden ein einmaliges Nutzererlebnis bieten zu können. Dazu findet ihr hier einen weiteren Blogpost mit mehr Informationen

Rivian unterscheidet sich zu anderen EV Firmen vom Mindset der Mitarbeiter, die teilweise von Tesla kommen und diese Unternehmenskultur mitgebracht haben. Am Anfang werden viele liquide Mittel benötigt, um einen den Prototypen in Serienfertigung herstellen zu können. Ein Elektroauto Prototypen zu bauen ist der “einfacherer” Part, das Ganze dann auch auf großen Produktionslevel zu skalieren ein viel schwieriger an denen viele Startups scheitern. Oder sie schaffen es noch nicht mal einen funktionierenden Prototyp herzustellen und faken diese Funktion vor der Öffentlichkeit. (Siehe Nikola Motor)

Rivian verfügt dank namhafter Investoren über sehr gute liquide Mittel. Der größte Investor in das Elektroauto Startup dürfte wohl Amazon sein. Neben dem Investment in Rivian hat Amazon auch 100.000 Elektrolieferwagen bei Rivian bestellt. Diese werden eigens für Amazon entwickelt. Geplant ist eine Auslieferung dieser bis spätestens 2030. Die ersten 30.000 Lieferwagen sollen bis Ende 2022 an Amazon übergeben werden. 

Ein weiterer Grund, warum Amazon so interessiert daran ist in Rivian zu investieren, ist der persönliche Machtkampf zwischen Jeff Bezos und Elon Musk. Diesen sieht man ja auch im Raumfahrt Sektor wo sich Jeff mit Blue Origin und Elon Musk mit SpaceX ebenfalls ein starkes Battle darum liefern, wer jetzt wieder öfter im Weltraum war. 

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Neben Amazon ist Ford mit 500 Million Dollar in Rivian investiert. Durch das Investment verspricht man sich bestimmt einen gewissen Know-How Transfer. Laut Berichten soll der neue Ford F-150 Lightning, also der Elektropickup von Ford, ebenfalls auf einer Rivian Plattform gebaut werden. Hierbei könnte ich mir gut vorstellen, dass Rivian zum Plattform-Zulieferer für andere OEMs werden könnte. Ähnlich wie man es von der deutschen MEB Plattform von VW kennt.

Rivian vs. Tesla – In welcher Evolutionsstufe stehen beide Firmen?

Schaut man sich den Platzhirsch Tesla an, so wird schon klar, dass der Platzhirsch gerade was die Skalierbarkeit anbelangt klar vorne liegt. Und nicht nur bei den Produktionsstätten, sondern auch bei der Ladeinfrastruktur. Ich denke Tesla ist langsam zu einem volljährigen Erwachsenen herangewachsen und gerät nicht mehr so schnell ins Straucheln. Bei Rivian würde ich behaupten gibt es noch einige Challenges die gelöst werden müssen und die Firma noch eher so im Kleinkindalter ist.

Was mir bei der Review des R1T auffällt das dieser Pickup Truck sehr viele interessante und nützliche Features besitzt. Wie zum Beispiel eine Art Kensington Lock für die Ladefläche, die an die Ladefläche angesteckt wird. So kann beim Abschließen des Autos das Fahrrad auf der Ladefläche nicht entwendet werden. Weitere Gimmigs sind Steckdosen vorne und hinten im Kofferraum  sowie eine Taschenlampe in der Fahrertür. Beim Blick auf die Touchscreens des R1T fällt schon eine ziemlich ähnliche UI/UX zu Teslas System auf. Vielleicht auch ein Grund warum Tesla Rivian verklagt. Aber schaut euch am besten selbst das Video dazu an.

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Bei diesem Aspekt ist Rivian Tesla voraus!

Meine Meinung nach hat Rivian aktuell einen entscheidenden Vorteil gegenüber Tesla. Sie haben sich auf das umsatzstärkste Segment in den USA fokussiert. Und wer schon mal in den USA war weiß, dass ein Amerikaner gerne große Pickups und SUVs fährt. Tesla hat ja bereits den Cybertruck vorgestellt, dieser ist aber noch nicht für die Auslieferung bereit. Sollte Rivian es schaffen seine Produktion ans Laufen zu bekommen wird es für Elon Musk mit dem Cybertruck denke ich schon schwieriger werden, dort noch Marktsegment zu ergattern. Zumal Ford für 2022 ebenfalls angekündigt hat, den F150 Lightning ausliefern zu können.

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Welche Challenges stehen bei Rivian in Zukunft an?

In der Zukunft wird sich zeigen, wie Rivian von den Kunden angenommen wird. Scott Galloway hat auf Twitter ebenfalls einen Screenshot einer Bestellung eines R1T gepostet. Ich denke das Rivian hat gerade den perfekten Zeitpunkt erwischt um den R1T und den R1S am Markt zu platzieren. Ich sehe hier primär drei Herausforderungen.

1. Die Produktionskapazitäten, für die die Pickups müssen, jetzt hochgefahren werden, was in der aktuellen Chipkrise sicher einer der größten Herausforderungen ist. Ich denke langfristig wird Rivian eine ähnliche Strategie fahren wie Tesla und das Chipdesign / Herstellung selbst übernehmen.

2. Die zweite Herausforderung wird es sein, dem Druck von Amazon standzuhalten. Auch die Lieferversprechungen sind sehr sportlich gesetzt. Sollte dies jedoch gelingen kann ich mir gut vorstellen, dass Amazon weltweit auf diese Fahrzeuge setzen wird. Wer weiß vielleicht sehen wir diese Lieferfahrzeuge dann auch mal auf deutschen Straßen.

3. Die dritte Herausforderung sehe ich hier bei der Software. Auf den ersten Blick sieht die Software auf dem Screen schon sehr solide aus, aber da kann der erste Eindruck auch täuschen. Ich denke das man eine Tesla FSD Beta nicht so schnell kopieren kann. Ein mögliches Szenario wäre, dass Tesla die FSD irgendwann an andere EV Hersteller lizenziert und diese dann ähnlich wie Apples CarPlay oder Googles Android Auto integriert werden.

Ich bin gespannt, wie sich Rivian in Zukunft am Markt schlagen wird und hoffe, dass damit deutschen OEMs mal vor Augen geführt wird, was alles möglich ist, wenn man ein Produkt baut, das auf die Bedürfnisse des Kunden zugeschnitten ist.

Wie ist eure Meinung zu Rivian?

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