Theoretisch können wir praktisch alles im Marketing | Die Theoretiker in deutschen Marketingabteilungen

von | Jul 25, 2021 | 📱 digitales Marketing

Der Impulse für diesen Artikel kam mir beim Lesen dieses Tweets:

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass diese Vorgehensweise nicht unbedingt auf alle Unternehmen zutrifft. Es gibt aber meiner Meinung nach bestimmt den ein oder anderen Schnittpunkt in dem ihr ähnliche Muster schon mal miterlebt habt.

Wo genau liegt das Problem im Marketing?

Schaut man auf Marketing Abteilungen in großen deutschen Unternehmen gibt es dort Heerscharen von Mitarbeitern, die den ganzen Tag daran arbeiten ausgeklügelt Marketingstrategien zu entwickeln, die mit der Realität oft sehr wenig zu tun haben. Es wird bis ins kleinste Detail durchdekliniert welche Maßnahme auf welchen Online Channel jetzt wohl am effektivsten ist. Hierbei wird in langen Meetings darüber geschwafelt, dass die eigene Idee wohl die Beste sei und alles andere nicht funktionieren kann.Das Problem hierbei ist oft der unterschiedliche Wissensstand, der bei Marketing Mitarbeitern vorherrscht.

Der eine versteht beim Thema Videosnippet für Social Media ein schnelles Handyvideo aus dem Büro mit schlechtem Bild und Ton. Der andere versteht darunter ein groß angelegtes Videoshooting zusammen mit einer Agentur. Ich denke irgendwo in der Mitte liegt die optimale Lösung.

Wer im Marketing arbeitet, muss stets informiert sein was gerade der neuste Trend ist. Dazu aber später mehr.

Wie viel Strategie braucht es im Marketing?

Grundsätzlich finde ich es gut eine grobe Strategie zu definieren. Vielleicht kennt ihr das noch aus der BWL Vorlesung in der Uni. Es wird meist ein Ziel definiert und der Weg zu diesem Ziel ist die Strategie. Zusätzlich zum Ziel ist es sehr sinnvoll über dem Ziel auch eine Unternehmensvision zu definieren. Diese kann die Art und Weise des täglichen Handels positiv beeinflussen. Das große Problem, was ich hier sehe, ist das die Planungszyklen für solche Marketingstrategien oft über ein Jahr im Voraus geplant werden. Niemand kann vorhersehen was in den nächsten drei Monaten der neuste Trend sein wird. Ich glaube nicht das im Dezember 2020 jemand in einer Deutschen Marketingabteilung für das Jahr 2021 Clubhouse auf dem Schirm hatte. So schnell Clubhouse am Anfang des Jahres auch da war genauso schnell ist dieser Trend auch wieder abgeflaut. Zum Hype Zeitraum gab es aber durchaus einige Unternehmen die schnell auf diesen Trend aufgesprungen sind. Da wurde also alles richtig gemacht.
Discord-Server

Ist eine Marketingstrategie erst einmal definiert, fällt es allen Parteien oft schwer diese strikt zu befolgen. Aus meinen eigenen Erfahrungen hatte ich nach spätestens 3 Monaten das Gefühl das alles schon wieder sehr veraltet ist. Deswegen macht es meiner Meinung nach keinen Sinn, sehr viel Zeit in die Strategieentwicklung zu stecken, sondern lieber mehr an die Umsetzung zu gehen und zu testen was gut funktioniert. Das ermöglicht es mir schnell auf Trends reagieren zu können und so vom Kunden als “innovativ” wahrgenommen zu werden.

Es gibt immer mehrere Wege an die Spitze und einige Wege enden auch in einer Sackgasse. Deswegen muss man so flexibel und agil sein um einen Teil des Weges wieder zurückzugehen und einen anderen Weg einschlagen. Man weiß ja nie, ob der Weg der damals zum Anfang des Jahres in der Strategie definiert wurde, in einer Sackgasse endet.

Streategie Ziele einfach erklaert

Arbeit mit Agenturen – Je unwissender der Kunde, desto mehr kann man ihm verkaufen

In deutschen Marketingabteilungen kann natürlich auch nicht über die gesamte Palette der Marketingthemen tiefgründige Expertise vorhanden sein, dafür ist das Themenfeld Marketing einfach zu groß. Trotzdem sollte man als Marketing Mitarbeiter in einem Unternehmen in allen Bereichen ein gutes Basiswissen aufweisen. Gerade in der Zusammenarbeit mit Agenturen sollte man dieses Wissen nutzen und sich selber an unterschiedlichen Stellen Informationen beschaffen. So kann man in den Agentur Pitchen sehr schnell sehen, wer auch wirklich Expertenerfahrung hat. Leider gibt es auch Agenturen, die die Unwissenheit des Kunden ausnutzen und denen zu teuren Preisen Sachen verkaufen die man mit 3 Stunden intensiver Recherche auch selbst herausfinden und umsetzen kann.

Nehmen wir das Beispiel des Eingangs Tweets. Ich kann als Agentur nicht Social Media Dienstleistungen verkaufen und selbst beim Social Media Game nicht mitspielen. Das wäre so, als wenn ich die Theorieprüfung in der Fahrschule bestanden hat und ich mich dann ins Fahrschulauto setze und anderen praktisch zeigen will wie man im Straßenverkehr Auto fährt. Und hier liegt das große Problem das es viele selbst ernannte “Experten” gibt, die aber praktisch noch keine Arbeitsergebnisse vorweisen können. Deswegen beim Pitch immer fragen, was die Person sonst so in dem Themenbereich macht.

3 Tipps an alle Mitarbeiter von Marketingabteilungen

Es ist immer einfach zu kritisieren und Fehler bei anderen aufzuzeigen. Deswegen möchte ich euch hier ein paar Tipps geben wie ihr mehr theoretisches Wissen aufbaut und in die Praxis umsetzen könnt.

1) Informiert euch regelmäßig über die aktuellen Marketingtrends

Abonniert dazu zum Beispiel das t3n Magazin sowohl die Online Newsletter als auch die vierteljährliche Printausgabe die auf über 150 Seiten alle Neuigkeiten zusammenfasst. Beim lesen werdet ihr ganz schnell Beispiele finden, die ihr ebenfalls in eurem Unternehmen anwenden könnt.
Zusätzlich kann ich euch alle Angebote von den Online Marketing Rockstars (OMR) empfehlen. Egal ob spannende Podcasts Interviews, interessante Weiterbildungsmöglichkeiten oder empfohlene Softwaretipps.

2) Entwickelt auch eine private Affinität mit den Marketinginstrumenten

Setzt auch privat eigene Projekte im Marketing um. Es war noch nie so einfach wie jetzt. Bei eigenen privaten Projekten könnt ihr wie auf einer grünen Spielweise alles ausprobieren und es genau so gestalten wie ihr es mögt. Wenn ihr zum Beispiel einen eigenen Podcast startet, wisst ihr schon wie viel Aufwand sowas ist und könnt dann beim nächsten Marketing Meeting aus der Praxis berichten. Somit könnt ihr in eurem Marketingteam schnell ein Expertenstatus erlangen. Zusätzlich helfen private Marketingprojekte wie eine eigene Webseite oder einen eigenen Podcast dabei euer Personal Branding zu stärken. Das hilft bestimmt auch bei der nächsten Jobsuche.

3) Werde selbst zum Content Creator

Wenn man als Marketingabteilung oft mit Influencern/Bloggern zusammenarbeitet, kann es oft schwer sein, sich in die Lage des Content Creators zu versetzen. Deswegen ist es wie bei Punkt 2 sinnvoll selbst in den Ring zu steigen und eigenen Inhalten/Meinungen zu veröffentlichen. Hierzu wird noch nicht mal eine eigene Webseite benötigt. Es reicht regelmäßig Beiträge auf LinkedIn zu erstellen und sich mit anderen Personen aus dem eigenen Interessensfeld zu vernetzen.

Fazit

Ich bin der Meinung das es in deutschen Marketingabteilungen mehr Praktiker als Theoretiker geben sollte. (Ich bin auch mehr der Praktiker als Theoretiker 😉 ) Diese sind näher an der Zielgruppe, probieren Dinge aus und haben immer neue Ideen. Jedoch muss hierfür auch der Rahmen stimmen und der Chef muss den Mitarbeitern seines Teams Freiräume und Vertrauen entgegenbringen. Es muss in Ordnung sein Fehler zu machen so fern man daraus lernen kann und weiß wie man es beim nächsten Mal nicht machen sollte. Leider ist diese Denke immer noch sehr unterrepräsentiert und ich hoffe das es sich in Zukunft ändern wird.

Deswegen probiert viele Themen im Marketing aus und bleibt wissenshungrig. Verknüpft euch mit anderen aus dem gleichen Themenbereich und teilt eure Erfahrungen.
Denn nur wer mit der Zeit geht, geht nicht nach einer Zeit das ist gerade im Marketing sehr wichtig.

Ich freue mich auf eure Meinung zu dem Thema und verbindet euch gerne mit mir auf LinkedIn.